So. Wieder da aus den USA. Doch BBBB bleibt euch erhalten. Denn auch die Heimat bietet spannende, lustige und peinliche Geschichten.



Mittwoch, 1. Juni 2011

...und dann heirate ich den Mann von Schalter Nr. 14!

Gestern war es endlich soweit. Ich hatte meinen lang ersehnten Termin beim Amerikanischen Konsulat in Frankfurt. Schon nachts plagten mich Gedanken über die Vollständigkeit meiner Unterlagen und noch schlimmer: Ob ich mit dem Pickel zwischen meinen Augenbrauen vielleicht aussähe wie eine indische Terroristin.
Alles Gründe um mir mein Visum zu verweigern.

Nachdem ich am Morgen alle Unterlagen noch dutzendfach geprüft und vor dem Spiegel eine halbe Stunde damit beschäftigt war den doofen Pickel abzudecken, war ich startklar. Natürlich ohne Frühstück und völlig aus dem Schlaf-Wach-Rhythmus einer Abiturientin. Glücklicherweise kam ich so früh in Frankfurt an, dass ich mich mit einer Good-Morning-Coke bei Ronald McDonald schon mal auf meinen amerikanischen Tag einstimmen konnte. Hätte ich da schon gewusst, wie lange meine Wartezeit ist, hätte ich sicher auch zum Frühstück gegriffen.

Fröhlich über das sonnige Wetter stellte ich mich beim Konsulat angekommen in die Reihe der Nichteinwanderungsvisa. Dort erweckte ich anscheinend den Eindruck, dass ich das schon hundertemale gemacht hätte, denn die Leute um mich herum suchten stets bei mir Rat und Hilfe. Damit konnte ich aber nicht dienen und war genauso gespannt, was wohl auf mich zukommen mag.
Ein netter Mann rief mich an Schalter 2 und prüfte meine Unterlagen. VOLLSTÄNDIG! Mann war ich froh! Mit meinen Unterlagen und einem Zettel mit Nummer ging es in Reihe 2. Von dort wie erwartet weiter zur Kontrolle. Taschen durchleuchten und Co wie man es vom Flughafen kennt. Alles in Ordnung. Also ging es quer durch den Hof in ein anderes Gebäude. Erneutes Flughafen-Feeling. Eine riesige Wartehalle mit hunderten von Stühlen. An den Seiten Schalter und Matrixtafeln. Immerhin war es schön sonnig unter dem Glasdach, aber wenn's wärmer ist würde ich da drin auch nicht gern saunieren.
Im Sekundentakt wurden Nummern zu Schaltern gerufen. Ich hatte mich auf eine lange Wartezeit eingestellt und war überrascht als ich nach schon 5 Minuten zu Schalter 6 gerufen wurde. Die Dame hinter der Glasscheibe hatte wohl schon einen anstrengenden Morgen, denn sonderlich freundlich war sie nicht. Ich sei zu zaghaft betonte sie drei mal, als ich meine Finger auf den Fingerabdrucksensor pressen sollte. Schließlich gab sie mir netterweise noch eine Broschüre für die weitere Wartezeit. Hatte ich mir doch gedacht, dass ich so schnell nicht fertig sein konnte.

Ich machte es mir auf einem Stuhl vor Schalter 14 bequem und beobachtete den Mann hinter der Scheibe. Die Wartelektüre hatte sich nämlich als langweilige "Meine Rechte in den USA"-Broschüre entpuppt. Eine Thematik die ich schon bei meiner Bewerbung durchgekaut hatte. Außerdem war der Schalter-14-Mann viel schöner. Und keiner arbeitete so schnell wie er. Während die Leute an den anderen Schaltern fast 5 Minuten vor der Scheibe standen und womöglich dutzende Fragen beantworten mussten, war dieser Kerl flott und fragte kaum was. Zu dem wollte ich natürlich auch. Aber meine Nummer war meilenweit von denen auf der Anzeigetafel entfernt. Doch ich hätte noch Stunden warten können, geblendet von seiner Schönheit. Von seinen blauen Augen die ich noch aus drei Metern Entfernung durch die Scheibe leuchten sah... hach, er war soo schön.

Versunken in meinen Träumereien musste er auf mich warten. Denn auf meine Nummer hatte ich kein bisschen geachtet während ich unsere Traumhochzeit plante.
Mit wackeligen Knien ging ich zu ihm, doch was sollte schon passieren. Ein paar Sätze auf Deutsch wechseln und dann den wunderbaren Satz hören "Ihr Visum ist genehmigt". Genau so hatte ich es unzählige Male vor mir beobachtet, warum sollte er es bei mir anders machen? Warum weiß ich nicht, doch es war anders. Mein Interview war auf Englisch und er fragte mich nicht mal nach dem berühmten Satz was ich nach meinem Aufenthalt machen wolle. Ich hätte ihm ja noch tausende Fragen beantwortet, aber leider musste ich gehen nachdem er mir sagte, dass mein Visum genehmigt sei.

Halb fröhlich über mein Visum, halb geknickt ihn wohl nie wieder zu sehen verließ ich das Gelände. Und kaum zwei Straßen weiter fing es an zu stürmen und zu gewittern. Frankfurt City sah aus wie kurz vor dem Weltuntergang. Wahrscheinlich ein Wink des Himmels. Wahrscheinlich gibt er seinen Job beim Konsulat auf und wird in ein U.S. State Department in Connecticut versetzt. Immerhin kannte er die Gegend und hat gesagt es wäre schön dort.

Hach, ich mach mich dann schonmal an die Einladungen für unseren Polterabend...

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