So. Wieder da aus den USA. Doch BBBB bleibt euch erhalten. Denn auch die Heimat bietet spannende, lustige und peinliche Geschichten.



Mittwoch, 27. Juni 2012

EWR to YVR

1 großer Koffer, 22kg schwer. 1 Rucksack, mindestens 8kg schwer. 1 Handtasche, gefühlte 5kg. 1 Gitarre, im Vergleich federleicht.
So bepackt machte ich mich auf meine große Reise. Ganz alleine. Zu allererst musste ich an den Bahnhof in Stamford, CT kommen. Meine Hostmom war so nett, mich um 11 Uhr abends noch zu fahren - allerdings nicht bevor ich noch den Einkauf mit ihr erledigte.
Völlig geschafft war ich schon in der Bahn totmüde - wie sollte ich das schaffen, bis morgens um 7 wach zu bleiben? Da ging nämlich mein Flug. Bis dahin stand mir allerdings noch eine weite Reise bevor.
Im Grand Central Terminal in NYC angekommen, suchte ich mir als erstes ein Taxi. Eigentlich wollte ich ja mit der U-Bahn fahren, doch als meine Gasteltern von diesen Plänen hörten, bekam ich mal wieder eine Predigt darüber, was so alles Schlimmes passieren kann, um Mitternacht in der New Yorker Unterwelt. Via Taxi ging es also zum nächsten Bahnhof, der Penn Station. Dort begrüßte mich schon die erste Festnahme. Nicht ich, 2 andere Jugendliche, wegen was auch immer. In der Schlange vorm Ticketautomaten bequatschte mich auch schon ein zahnloser Mitmensch ob er mir denn helfen könne. Wie ich weiß, ist es am besten so zu tun, als wären diese Menschen gar nicht da. Das klingt hart - ist aber am sichersten. Selbstsicher löste ich also mein Ticket und wartete die Stunde auf die Bahn neben der Polizeistation - da sollte es ja eigentlich am sichersten sein. Sicher fühlte ich mich allerdings gar nicht. Der Ort mit der höchsten Kriminalitätsrate erkennt man auch ohne zu wissen wo man ist.

Doof am New Jersey Transit ist, dass der Gleis auf dem die Bahn abfährt immer erst ca. 10 Minuten vor Abfahrt angezeigt wird. Just in der Sekunde als die Nummer erschien, machte ich mich auf den Weg. Besonders erfreut war ich dann über die Tatsache, dass der Aufzug außer Betrieb war.
Fröhlich bepackt durfte ich 3 Stockwerke abwärts laufen. Auf einer ca. 60cm breiten Treppe. Zum Glück ohne Gegenverkehr, dafür mit Dränglern von hinten, die sich unbedingt an mir vorbeiquetschen mussten.
In dem ganzen Gedränge merkte ich erstmal gar nicht, dass der Bändel von meinem Nackenkissen abgerissen ist. Das hatte ich nämlich geschickt am Koffer befestigt. Im Zug merkte ich, dass das Loch größer ist als erwartet. Und dann fing es auch schon an zu schneien. Tausende, lustige, kleine, weiße Styroporkügelchen. Elektrisch geladen, haften überall. An Sitzen, Jacke, Haaren, einfach überall. Ich sah sehr lustig aus, in meinem Schneekostüm.

Der Aufzug blieb leider nicht das einzige Transportmittel was mich in dieser Nacht im Stich ließ. Auch der Airtrain - der mich zum Terminal bringen sollte - fuhr nicht. Stattdessen fuhr ein Schuttlebus. Zu dem musste man - natürlich - erst die Treppe nehmen. 
Völlig geschafft saß ich um 2 Uhr nachts allein im Terminal. Der Check-in Schalter machte erst um halb 6 auf. Irgendwie schaffte ich es, mich wachzuhalten. Und irgendwie schaffte ich es ins Flugzeug. Zu übermüdet um mich an vieles zu erinnern. Außer an die unfreundlichen Menschen. Die hab ich nicht verdrängt. Weil ich zu doof war um den blöden Nacktscanner zu kapieren. Vielleicht aber fand der Kerl meinen Körper auch nur so wunderbar, dass er ihn gleich 4mal sehen wollte?
Egal. Hauptsache ich habe es geschafft. Bis nach Vancouver ins Hotel sogar. Da fuhr der Airtrain nämlich. Alles lief super. Kanada eben. Und das Highlight nach 36 schlaflosen Stunden war dann doch, dass ich endlich meine Mama und meinen Papa wiederhatte.


Bergeeee!
Ausblick aus dem Hotelzimmer.



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