Meine Wochenendreise war schön, wenn auch kalt. Frostige Temperaturen und
Schnee, wie man es im Winter erwartet. Meine Zehenspitzen sind immer
noch taub und eisekalt, obwohl ich schon seit einer halben Stunde durch
die Finsternis ruckle.
Der
Zugchef bringt mich mit seinen Ansagen zum Lachen. Ich denke, er macht
sich wie viele einen Spaß daraus, weil die doch wissen wie die Leute dem
Rauschen lauschen und nur auf den einen berühmten Satz warten:
"Sänk ju for träwelling wisz Deutsche Bahn."
Er
spricht mystisch und langsam. So klingt selbst Kassel-Wilhelmshöhe wie
eine Haltestelle die sonst nur der Hogwarts Express anfährt.
Wie
so oft lese ich mobil. Das Magazin der Deutschen Bahn. Ein Artikel hat
mich tatsächlich zum Nachdenken angeregt. Ein Artikel über Helgoland.
Über einen Insulaner, der seit mehr als 20 Jahren verwaiste Heuler auf
die Seehundstation bringt und sie dort aufzieht.
Und wieder denke ich darüber nach, wie glücklich dieser Mensch wohl ist. Fernab vom Trubel unserer Leistungsgesellschaft.
Dann ist da noch der andere Typ aus dem Artikel ganz hinten im Heft.
Der betreibt eine der letzten Blaudruckwerkstätten Deutschlands.
Und Steve Jobs sagte nur: "You've gotta find what you love."
Genau das versuche ich herauszufinden. Als junger Mensch vor der
Berufswahl hat man es nicht leicht heutzutage. Die vielen Möglichkeiten
die man hat sind Fluch und Segen zugleich.
Plötzlich ist man sich nicht mehr sicher. Doch lieber umorientieren und neu durchstarten bevor zu viel Zeit ins Land geht? Lieber
erstmal Plan B gehen, dann hat man sicher was in der Tasche, obwohl
man vielleicht lieber Plan A machen würde. Und irgendwie spürt man, dass
man lieber was riskieren sollte obwohl alle sagen, dass es wohl nur
Spinnerei sei.
Und
schwupps. Da habe ich meinen Schreibfluss doch Tatsache unterbrochen.
Für eine nette Bahnbekanntschaft die mir bis Fulda die Ehre erwies.
Ein
Gymnasiallehrer, noch ein Jahr bis zur Pensionierung. Er könne es kaum
erwarten. Deutsch und Englisch unterrichte er, früher auch Geschichte
und Politik. Aber es sei nicht mehr wie früher. Und er sei nicht der Typ
der dem Bildungssystem stur folgen will. Er komme aus einer
Künstlerfamilie, Kirchenmusiker und Pianisten.
Still beobachtet hat er mich erst und heimlich meinen Text gelesen. Tz tz.
Talent hätte ich, ob ich denn Journalistin sei.
Nur
mein Blog, nur mein Blog erwiderte ich, und erklärte dem älteren Herrn
was heute so alles möglich ist. Von Amerika und wie ich mit meinen
spannenden Geschichten die Welt verzauberte.
Was
ich denn sonst so mache, hakte er nach. Als Informatikstudentin kann
und will ich mich nun wirklich nicht bezeichnen. Praktikantin klingt mir
aber auch zu blöd.
Mediengestalterin Bild und Ton lautete meine Antwort.
Toll
findet er das. Und dass ich so kreativ bin. Ich solle bloß nicht
aufhören Künstler zu sein, zu musizieren, zu schreiben und
Filme zu machen. Aber nur gute!
Als
ich ihm dann offen und ehrlich meine Befürchtungen und Ängste
schilderte, dass ich nicht weiß wo die Reise hingehen soll und ich nicht
weiß wo mein Platz ist, antwortete er mit den Worten eines weisen
Mannes:
"Höre
auf dein Herz. Und vergiss vorallem die anderen! Was die sagen ist für
die gut, aber für dich vielleicht nicht. Wenn ich immer genau das machen
würde was das Kultusministerium und die Eltern mir sagen wäre ich ein
todunglücklicher Mann!"
Und dann stieg er aus.
Eine kurze Bekanntschaft durch puren Zufall. Und doch gibt sie mir Kraft und Zuversicht.
Drum werde ich nicht in die Fußstapfen irgendwelcher angesehenen Gelehrten treten, ich will lieber meine eigenen machen!
Und
ihr dürft meine Spuren lesen. Und vielleicht führen sie eines Tages in
ein Fernsehstudio, oder in ein Radiostudio, oder vielleicht einfach in
die Ferne, an einen unbekannten Ort...
loving this chapter of your blog ♥ eine wahre meisterin der worte!
AntwortenLöschentoll :)
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