Nein, ich wurde nicht verhaftet. Nein, ich habe nichts Verbotenes getan. Wirklich nicht.
Genau genommen war ich auch gar nicht schuld und ich wollte ja auch gar nicht, dass extra für mich ein Police Officer anrückt.
Schuld an allem ist folgender Übeltäter:
Der ruckelnde, rote Isuzu-Trooper! „Mein“ Auto.
(Momentan liegt kein Schnee, das Bild ist von Halloween)
Das gute Gefährt ist schon fast so alt wie ich und dementsprechend fährt es sich auch. Aber die Sitze sind bequem, ich brauche keine Angst haben irgendwo gegen zu fahren, denn zwischen den ganzen anderen Beulen und Kratzern fällt das gar nicht auf. Wenn ich mit offenem Fenster durch die City fahre und meine blonde Mähne im Wind weht sind natürlich alle Blicke auf mich gerichtet. Ich liebe dieses Auto.
Jetzt wo es kälter wird ist das 5-Minuten-Warmlauf-Pflichtprogramm dann schon ein wenig nervig. Und mittlerweile bin ich froh und dankbar, wenn die alte Karre überhaupt anspringt.
Nun zur eigentlichen Geschichte. Ich fuhr also vorgestern in die Mall um noch das ein oder andere zu erledigen, vielleicht noch ein paar Weihnachtsgeschenke zu ergattern und wie immer im totalen Kaufrausch zu enden. Der Shoppingbummel war sehr erfolgreich und ich war bester Laune auf dem Nachhauseweg. Bis ich plötzlich merkte, dass „Troopi“ trotz durchgedrücktem Gaspedal einfach nicht mehr zog. Im Schneckentempo fuhr ich 2 Blocks weiter, denn auf der 3-spurigen Straße ohne Standstreifen hätte ich schlecht mal eben stehen bleiben können.
Hinter der nächsten Kurve und dann rechts, da ist ein Golfplatz. Genau da wollte ich kurz hin um die Lage zu checken.
Das hat sich aber schnell erübrigt. Der Motor gab vorher seinen Geist auf. Natürlich mitten in der langen Kurve. Schön so, dass die ganzen Raser fast in mich bzw. das Auto reingebrettert wären.
Schnellstmöglich rief ich also als erstes meinen Hostdad an. Doch der war leider „on the other side of town“, versuchte aber zu kommen so schnell er konnte.
2 Minuten später war er da. Mit Tatütata und Blau- und Rotlicht. Im Rückspiegel sah ich wie er mit einer Hand an der Waffe, stets zum Abschuss bereit, aus seinem Auto ausstieg und nach vorne zu mir lief. Ich rollte nur kurz mein Fenster runter und umklammerte dann wieder ganz schnell das Lenkrad. In der Trainingschool habe ich nämlich gelernt, dass man in solch einer Situation bloß keine hektischen Bewegungen machen soll oder gar irgendwo hin greifen ohne dass man dazu aufgefordert wird.
Meinen Führerschein hatte ich eh nicht dabei. Glücklicherweise wollte der nette Officer den aber auch gar nicht sehen. Ganz lieb erkundigte er sich nur ob jemand kommen würde um zu helfen und erklärte mir dann noch, dass er hinter mir in der Kurve stehen bleiben würde, damit niemand in mich reinfährt.
12 Minuten später kam dann endlich mein Hostdad und gab mir Starthilfe – die Batterie war leer.
Der Police Officer lotste uns noch sicher wieder auf die Straße und dann ging es ab nach Hause. Dort konnten wir dann nur noch den Tod der Batterie feststellen.
Halb so schlimm. Jetzt hat er eine neue. Das war sowieso längst nötig. Alles läuft wieder wie geschmiert und ich fahre voller Freude. Mit offenem Fenster. Bei 3°C. Immer im Kreis. Immer am Haus mit dem Hund vorbei. Doch der, der meine blonde Mähne im eisigen Wind wehen sehen soll ist nie da…
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