Als ich es im Liedblatt entdeckte war ich zunächst ein wenig skeptisch und gespannt wie die das denn so hinkriegen, die lieben Amis. Aber ich kann nur sagen: Hut ab! Für den Augenblick dieses Liedes habe ich mich gefühlt wie zu Hause.
Auch sonst war mein Weihnachtsfest hier deutscher als man glauben mag. Die deutsche Oma verzichtet natürlich keinesfalls auf die Bescherung am Heiligabend. Essen, singen, Geschenke auspacken. Also alles wie üblich.
Weil die Kinder aber natürlich auch Weihnachten auf amerikanische Weise feiern sollen, wurden am 25. Dezember morgens nochmals Geschenke ausgepackt. In rauen Mengen versteht sich. Gemütlich saßen wir vorm Kamin durch den Santa Claus in der Nacht gestiegen war um die Stockings (die Socken die am Kamin hängen) zu befüllen.
Kaum war die zweite Bescherung zu Ende ging es im Eiltempo auf zur dritten - und zum Glück letzten.
Eine Stunde Fahrt zu Oma und Opa. Dort wartete schon ein saftiger Christmas Ham im Ofen. Ich hatte vor lauter Bescherung natürlich nichts gefrühstückt und da wir um halb 11 losgefahren sind, war ich der festen Überzeugung dass wir dort dann zu Mittag essen.
Hätte ich an Thanksgiving mal lieber aufgepasst. Da ist mir nämlich genau das Gleiche passiert. Wenn wir um die Mittagszeit da sind heißt das nicht, dass es dann Essen gibt. Dann sitzt man erstmal gemütlich mit knurrendem Magen auf dem Sofa und wartet bis zur späten Abendstunde dass Truthahn und Co aufgetischt werden. Vielleicht ist das ein geheimer Trick? Je größer der Hunger desto besser schmeckt das Essen?
War ich damals doch so froh Thanksgiving (DER Tag des Essens überhaupt!) nicht verhungert zu sein, machte ich mir Sorgen ob ich diesen Weihnachtstag überlebe.
Ich saß also 5 Stunden auf dem Sofa - mit dicker Winterjacke - mir war durch die geringe Energiezufuhr schon mächtig kalt. Die Wartezeit wurde aber noch deutlich verschlimmert. Der Fernseher auf den ich die ganze Zeit starrte wiederholte den gleichen Film am laufenden Band. "24 hours of 'A Christmas Story'".
Diese Komödie aus dem Jahre 1983 fand ich alles andere als lustig und unterhaltsam.
Meine Lektion habe ich nun gelernt und wann immer es heißt: "Wir fahren zu Oma und Opa!" heißt das für mich: Pack' noch schnell ein EPa ein!
Im Nachhinein kann ich nur sagen: Mein Weihnachten hier war schön! Ich wurde reichlich beschenkt - auch wenn ich mit den 87 Geschenken meiner 5-jährigen lange nicht mithalten kann.
Aber viel wichtiger sind die Menschen die man um sich hat. Und auch wenn ich meine Familie und Freunde daheim sehr vermisse, ich habe hier eine Familie die mindestens genauso chaotisch ist wie die meinige.
Der Weihnachtsbaum bei der
deutschen Oma an Heiligabend.
Kurz vor Bescherung #3.
Diesen Anblick musste ich mit knurrendem
Magen ganze 5 Stunden ertragen.
Hier das Beweisvideo!
87 Geschenke?? Für EIN Kind? WOW!
AntwortenLöschenAber das sehr odentliche "Stille Nacht"-Video am Ende hat mich dann doch wieder besänftigt ;)
♥♥♥