So. Wieder da aus den USA. Doch BBBB bleibt euch erhalten. Denn auch die Heimat bietet spannende, lustige und peinliche Geschichten.



Sonntag, 29. Januar 2012

Aus Einstein wurde Dreistein

Wie ihr wisst, mache ich schon seit längerem mit vollem Herzblut Werbung für die genialen Leselern-DVDs von Baby Einstein. T. ist mittlerweile 21 Monate alt und schon bei DVD Nummer 3 angelangt. Er ist jetzt also schon ein Dreistein. Sprechen kann er leider noch nicht. Mehr als "Mama" und "Dada" kam ihm einfach noch nicht über die Lippen. Die Eltern sind aber - wie ich natürlich - überzeugt, dass er zwar noch nicht sprechen, aber schon lesen kann.

Warum freut er sich sonst so sehr, wenn jemand den DVD-Player einschaltet? Mittlerweile legt er die DVD ja sogar schon selbst ins Abspielgerät. Ein Wunder!
Der Herr Papa ist mittlerweile ein wenig skeptischer geworden. Ein Artikel eines renommierten New Yorker Printmediums besagte, dass Kleinkinder die täglich Fernsehen meist eine stark verzögerte Sprachentwicklung haben.
Da er diese mit seinen herausragenden Fachkenntnissen auch bei seinem eigenen Spross feststellte, musste das TV-Programm umgehend eingeschränkt werden.
Die enorme Reduzierung ließ selbst mich sprachlos. Der gute T. schaut jetzt nur noch 58 Minuten am Tag in die Flimmerkiste. 30 Minuten am Morgen. Das Frühstücksfernsehen direkt nach dem Aufstehen. Unverzichtbar, schließlich müssen die Eltern auch irgendwann unter die Dusche hüpfen.
Während ich Mittagessen zubereite soll er unbedingt sein Baby Einstein Programm anschauen. Das ist ja dann auch kein richtiges Fernsehen. Denn das ist ja gut für seine Bildungslaufbahn. Blöd nur, dass das dumme Au Pair das "ausversehen" immer vergisst. Das hampelt nur so rum, liest Bücher vor und singt Lieder. Fingerspiele eins zu eins. Das kann nicht besser sein.

Womöglich bin ich dann schuld, wenn T. kein Einstein wird. Immerhin wurde ich in der Shoppingmall schon gefragt ob ich meinen Sohn in die Modelkartei von Macy's aufnehmen lassen will. Probeshootings und Sedcard wären kostenlos. Wenn's mit dem Nobelpreis im Alter von 6 Jahren also immer noch nicht geklappt hat steht vielleicht eine rosige Zeit als Model bevor.

Die 5-jährige J. ist das schon. Erst letzte Woche kam ich nach 10 Minuten ins Bad um zu fragen, ob sie sich schon die Zähne geputzt hat (das war der Grund warum sie ins Badezimmer gehen sollte). Die Antwort ließ mich fast rückwärts die Treppe runterstolpern.
"Neeeeeeein!!!"
"Wieso denn nicht?"
"Ich musste mich erstmal im Spiegel betrachten... ich finde ich bin viel schöner als die ganzen Prinzessinnen von Disney. Nur meine Haare sind noch nicht so lang wie die von Rapunzel. Da muss man nochmal ein bisschen künstlich nachhelfen."

Armes Kind. Gut, dass Mama und Papa im Disneystore eine Rapunzelperücke entdeckt haben. Nun ist auch dieser Makel beseitigt und Töchterchen hat wieder das volle Selbstbewusstsein - von dem Leute wie ich nur träumen können.
Wenn ich es mir recht überlege bin ich mit meiner "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold"-Theorie aber doch ein Stück zufriedener als ein stetig hyperventilierendes Duracell-Häschen.
"Spieglein, Spieglein an der Wand. Wer ist die Schönste im ganzen Land?"

"NUS TO EVR BUDE."
(Nice to everybody - Selbstdarstellung der Künstlerin J., 2012)

J. bereitet ihren Eltern große Sorgen. Die Rechtschreibung lässt zu
wünschen übrig. Hier steht ganz klar die Modelkarriere an erster Stelle.
Wer will schon so einen langweiligen Nohbäll-Praiß?
Ich finde die Schreibweise hingegen sehr süß. Das gehört doch irgendwie dazu. Ich habe meinen Namen auf der Flosse des Regenbogenfischs auch ein wenig kunstvoll gestaltet. Trotzdem wurde sie dazu geklebt. Jordan muss so lange üben bis es richtig ist. Bis spät in die Nacht hinein. Wer schön sein will muss leiden, oder wie war das?

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