Henssler stellt in jeder Sendung seine "Schnelle Nummer" vor. Ein Gericht, dass so einfach ist und schnell geht, dass es theoretisch selbst ein Amerikaner zubereiten könnte(!). In der letzten Sendung gab es außerdem hausgemachte Ravioli. Weil das so lecker klang, hatte ich mir doch direkt das Rezept aufgeschrieben. Pünktlich um 12 fing ich an und hatte nach sehr harter Arbeit 12 wohlgeformte, große Ravioli mit Tomaten-Feta-Füllung.
Die waren so groß, dass ich gar nicht alle auf einmal geschafft hätte. Zum Mittagessen gab's deshalb erstmal die halbe Portion.
Die restlichen 6 verpackte ich kunstvoll, damit sie bis zum Abendessen frisch blieben. Hätte ich gewusst was kommt, hätte ich mir entweder beim einpacken nicht so viel Mühe gegeben, oder eben gleich alle gegessen.
Abends war ich wie jeden Mittwoch im Fitnessstudio. Schon während ich beim Hantelstemmen und Rudern schwitzte, freute ich mich auf mein Belohnungsessen. Daheim angekommen machte ich als allererstes den Kühlschrank auf. Doch irgendwie konnte ich die Ravioli nicht finden. Aber wer kennt das nicht? Die Kühlschrank-Blindheit. Man sucht verzweifelt die Butter, obwohl sie direkt vor der eigenen Nase steht.
Ich schaute also nochmal genauer hin. Durchforstete jede einzelne Ecke. Nichts.
Da fiel mir der Streit von Sonntag ein. Da wollte ich nämlich Muffins backen. Die Zutaten hatte ich alle schon bereit und war gerade dabei die Eier aufzuschlagen als meine Hostmom in die Küche kam.
"Was machst du denn da?!?!?"
"Nein, nein, nein. Das geht so nicht. Du kannst nicht einfach backen. Das muss ich vorher wissen."
"Das mache ich sonst auch so. Das war doch noch nie ein Problem."
"DU PACKST DAS JETZT SOFORT WEG!"
Im Eiltempo packte ich alles wieder ein. Dabei knallte die ein oder andere Schublade zu. Währenddessen wurde ich mit Belehrungen bombadiert. Mein Fluchtinstinkt war so groß, dass ich sofort hoch in mein Zimmer rannte. Meine Hostmom - die ich bis dato noch nie so wütend erlebt hatte - kam wie ein hungriger Löwe hinterher. Ich flüchtete also weiter ins Badezimmer. Diese Tür konnte der Löwe nicht öffnen. Ich vernahm nur ein böses Schnaufen von der anderen Seite und traute mich erst wieder raus, als ich ganz sicher war, dass es auch sicher war wieder rauszukommen.
Später stellte sich heraus, dass Familienbesuch geplant war. Weibliche Personen neigen ja bekanntlich dazu, völlig am Rad zu drehen und jeden kleinsten Staubpartikel zu entfernen, damit besagter Besuch auch nur das Image eines perfekten Zuhauses sieht. Ich versteckte mich wie Harry Potter auf meinem Zimmer und tat einfach so, als wäre ich nicht da. Zum Glück kam mir kein Hauself in die Quere. Und im Gegensatz zu meinem Zaubererfreund habe ich allerlei Sachen zur Unterhaltung in meinen 4 Wänden.
Auf einen Post-It-Zettel schrieb ich dann eine Nachricht an meine Gastmutter. Ob das die Strafe sei, dass ich schon wieder selbst gekocht habe und dass selbstgemachte Ravioli hier wohl nicht sehr bekannt wären.
Hunger hatte ich nach dem Durchsuchen des Mülls sowieso nicht mehr.
Am nächsten Morgen kam dann doch die erhoffte Entschuldigung:
"Sorry, dass ich deine Pasta weggeschmissen habe. Das sah nur so komisch aus und ich wollte nicht, dass jemand krank wird."
Vorsorge ist und bleibt eben die beste Medizin.
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