So. Wieder da aus den USA. Doch BBBB bleibt euch erhalten. Denn auch die Heimat bietet spannende, lustige und peinliche Geschichten.



Montag, 27. Februar 2012

Mex, Mex, du siehst so schön aus an der Flex!

Vielleicht klingt es etwas banal wenn ich sage: Der Amerikaner hat für alles seinen Mexikaner. Bei uns hier in der Gegend ist es aber wirklich so. Zwei Ortschaften weiter befindet sich eine wahre Hochburg dieser Landsleute - ohne Spanischkentnisse kommt man da nicht weit. In Restaurants, Kino und Shoppingmall verständigt man sich mit Zeichensprache. Die lieben Mexikaner arbeiten für alle nur erdenklichen Firmen. Gartenbaubetriebe, Klemptner, Putzfirmen und natürlich nicht zu vergessen: als Autowäscher.
Montags kommt also der Rasenmäh-Mexikaner, Dienstags der Putz-Mexikaner, Mittwochs der Waschmaschinen-Reparier-Mexikaner und Donnerstags der - moment mal. Der Waschmaschinen-Reparier-Mexikaner sollte eigentlich am Mittwoch kommen - konnte dann aber leider doch nicht. Auch das für Donnerstag bestellte Team von Baumfäll-Mexikanern tauchte nicht auf.
Weil meine Gasteltern viel beschäftigte Wesen sind, ist es natürlich Aufgabe des Au Pairs auch noch die ganze Organisation der Mexikaner zu übernehmen. Leider versteht man die am Telefon noch schlechter als sowieso schon. Das Baumfäll-Team entschloss sich kurzerhand dann am Sonntagmorgen um 8 zu kommen.
Es ist wunderschön vom sanften Gesang zwei harmonierender Kettensägen geweckt zu werden. Dann kam noch das Dauerklingeln der Türklingel hinzu. Eine wahre Freudeshymne. Beim rauslunzen aus meinem Fenster bemerkte ich, dass meine Gastfamilie wohl schon entschwunden war. Da die Mexikaner die schon im Baum saßen, vollen Einblick in mein Zimmer genossen, machte ich mich doch mal auf den Weg zur Haustür.

"Baahrööm"
"Sorry, what?!"
"Baahrööm!"
"I'm sorry, I don't know what you mean..."
"Neeeeed. Baahrööm!! Now!"
"You need a bathroom???"
"YEEEEES!!!"

Diese nette Begrüßung war super. Mit bester Laune führte ich ihn also zum stillen Örtchen und dankte ihm mit leicht ironischem Unterton noch tausendmal, dass sie extra für uns auch zu dieser unüblichen Zeit arbeiten.
Ich versuchte verzweifelt meine Gasteltern zu erreichen. Doch die waren wohl in der Kirche. Die Mobiltelefone also aus. Mir blieb nichts anderes übrig als zu warten. Duschen wollte ich auch nicht. Wer weiß, ob die vom Baum aus gucken ob meine Nippel rausblitzen wenn ich im Handtuch durchs Zimmer laufe.
Außerdem war meine Klamottenauswahl auf ein Zehntel der üblichen Größe geschrumpft und nur noch Teile im Schrank, die nicht unbedingt zu meinen Favoriten zählen. Der Waschmaschinen-Mexikaner hatte nämlich kläglich versagt. Seit 3 Wochen war die Maschine schon kaputt. Ich war einmal im Waschsalon. Das ist eine ziemlich nervige Angelegenheit. Außerdem haben die Trockner dort nur eine Hitzestufe, was mich in panische Angst versetzte. Zum Glück ist nichts eingelaufen.
Wann genau die Waschmaschine repariert wird steht noch in den Sternen. Ich hoffe bald. Der Vorgarten liegt auch noch voll mit Ästen und Gartenmüll. Ein schöner Anblick. Vielleicht brauchen wir einfach mal einen Mexikaner-Koordinier-Mexikaner. Der einen Plan macht wann, wer kommt und das ganze auf Spanisch regeln kann. Dann würde es bestimmt besser klappen. Bis dahin, Adiós! Ich gehe nun mit Klamotten duschen.

P.S. Das ist mir immer noch lieber als ohne warmes Wasser zu leben. Das hatte ich auch 2 Wochen lang. Furchtbar. Wer mich kennt, kennt auch meine Fettige-Haare-Phobie und meine schlechte Laune, wenn meine Haare ungewaschen sind. Morgens kalt duschen ist wirklich nicht schön. Abwechselnd duschte ich im Schwimmbad, oder eben eiskalt. Einen Knackpo - so wie es in der Brigitte behauptet wird - habe ich davon nicht bekommen.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen